Charakter

Charaktereigenschaften und Verhalten

Maimou, Mikio, Kartsona

Kartsonis

Wie bei jeder Hunderasse werden die Ausbildung des Charakters und das Verhalten des Kritikós Lagonikós natürlich stark von seiner Umwelt beeinflußt. Aber es gibt einige Wesensmerkmale und Verhaltensweisen, die bei allen Individuen dieser Rasse zu erkennen sind und als typisch gelten können.
Der Kretahund zeigt ein sehr komplexes und oftmals ungewöhnliches Ausdrucksverhalten. Er verfügt über ein großes Repertoire an Kommunikationsmöglichkeiten. Körpersprache und Mimik sind ausgesprochen vielschichtig und variabel und er teilt sich durch eine Fülle an Lautäußerungen mit, bellt aber nur selten. Er hat ein außerordentlich ursprüngliches Sozialverhalten, ist anderen Hunden gegenüber im Allgemeinen freundlich und unaufdringlich. Bei Konflikten verhält er sich eher defensiv. Fremden Personen begegnet er gleichgültig oder mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis, allem Fremden gegenüber ist er zurückhaltend bis mißtrauisch.

Auf Kreta werden von einem guten Kretischen Hund die gleichen Tugenden verlangt wie von einem jungen kretischen Mann, ausdauernd und draufgängerisch bei der Jagd, höflich, freundlich und zurückhaltend im Umgang. Die Kreter haben dafür ein Wort: Levendis.



Andartis

Wir haben diese Hunde auf Kreta als überwiegend dem Menschen zugewandte, freundliche Hunde kennengelernt, die Zuwendung auch von ihnen fremden Menschen sehr genießen. Manche sind anfangs scheu, oft auch unterwürfig, aber das scheint mehr von den jeweiligen Haltungsbedingungen und den Erfahrungen, die sie mit Menschen gemacht haben, abhängig zu sein. Aufdringlich sind sie allerdings nie und die Streicheleinheiten werden nicht vehement eingefordert, sondern sind schnell unwichtig, wenn etwas anderes ihre Aufmerksamkeit weckt. Sie sind äußerst agil und temperamentvoll und spielen viel miteinander, wenn sie Gelegenheit dazu haben. Es sind sehr kommunikative Hunde, sie haben dabei ihre eigene Sprache, die sich sowohl in oft ungewöhnlichen Lauten, als auch in einer Körpersprache manifestiert, die man bei anderen Hunderassen nicht findet. Auch ihre Mimik ist sehr viel stärker ausgeprägt als bei anderen Hunderassen. Sie setzen im Spiel gerne ihre Vorderpfoten ein, ähnlich wie man es auch bei vielen Podencos oder Rhodesian Ridgebacks sieht. Jagdspiele sind beliebt, sie brauchen einen Partner, dem sie vertrauen und mit dem sie dann auch kuscheln und sich beknabbern und belecken. Sie achten bei Begegnungen mit anderen Hunden auf feinste körpersprachliche Signale, wodurch sie ihr Gegenüber schnell einschätzen können. Das führt allerdings manchmal zu Verständigungsproblemen, wenn sie auf Hunde treffen, deren Möglichkeiten z.B. aufgrund anatomischer Besonderheiten in dieser Hinsicht eingeschränkt sind. Unsere Hunde, v.a. Synnefia, reagieren deshalb bei angeleinten Begegnungen mit brachycephalen Rassen, wie Mops oder Bulldogge, ablehnend oder gereizt. Im Freilauf stellt sich dieses Problem nicht, da sie dann ausweichen können. Schon im 19. Jahrhundert beschrieb ein Naturforscher folgendes Verhalten der Hunde auf Kreta: "Wenn diese Hunde einander begegnen, meiden sie sich nicht, sondern stoppen und beginnen dann, zu knurren und ihre Zähne zu zeigen, die, nebenbei bemerkt nicht zu den häßlichsten Teilen ihres Körpers gehören. Danach wechseln sie ruhig den Kurs." Als echte Urtyphunde sind sie absolut instinktsicher und handeln auch entsprechend instinktiv. In der Jugend scheint dies in mancherlei Hinsicht noch ausgeprägter zu sein als man es bei erwachsenen Hunden wahrnimmt. Synnefia hat beispielsweise als Welpe ihre Exkremente in der Erde verscharrt, dieses Verhalten aber dann abgelegt. Es kann nicht schaden, Frustrationstoleranz und Impulskontrolle früh zu üben, aber da diese Hunde sehr spätreif sind, sollte man ihnen auch immer genug Zeit geben.

Fouria

Freilauf ist bei unseren Hunden überall dort möglich, wo nicht unmittelbar mit Wild gerechnet werden muß. Zu Pferde oder auf dem Fahrrad können wir die bessere Übersicht und schnellere Geschwindigkeit ausnutzen, die Hunde entfernen sich dann nicht weit von uns. Nur Kalokairi muß noch an der Schleppleine üben. Er wäre bei Wildbegegnungen nicht sicher abrufbar. Die anderen in Deutschland befindlichen Vertreter dieser Rasse sind recht unterschiedlich in ihrer jagdlichen Motivation, beziehungsweise der Abrufbarkeit. Es ist abhängig von der Kontinuität und Konsequenz der erzieherischen Beeinflussung und des Alters, in dem der Hund in seine Familie kam. Ein weiterer Aspekt kommt hinzu, wenn die Hunde bereits auf Kreta zur Jagd eingesetzt wurden oder in ihrer neuen Heimat Jagderfahrungen machen konnten. Die Hormonausschüttung während der Jagd und das Selbstbelohnende dieses Erlebnisses können dazu führen, dass jeder Spaziergang für den Hund zum potentiellen Jagdausflug wird. Allerdings ist dieses Verhalten reversibel, die alten Erfahrungen werden teilweise gelöscht, wenn es gelingt, über einen längeren Zeitraum jeglichen Jagderfolg (auch intensives Verfolgen von Wildspuren oder ansatzweises Hetzen) zu vermeiden. Diese Hunde sind aufgrund ihrer Aufmerksamkeit, Sensitivität und Auffassungsgabe geistig sehr flexibel. Sie lernen schnell, vor allem alles, was ihnen selbst erfolgversprechend erscheint. So sind sie gut mit positiver Bestärkung erziehbar. Sie lernen ihr ganzes Leben lang und können sich auf veränderte Situationen rasch einstellen. Es ist einfach, sie an Dinge und Regeln zu gewöhnen. Allerdings generalisieren sie nicht so schnell, so dass es notwendig ist, ein gewolltes Verhalten auch in unterschiedlichen Situationen zu trainieren, um es sicher zu festigen. Sie testen immer wieder einmal aus, ob diese Regeln auch unter veränderten Rahmenbedingungen gelten, dann ist liebevolle Konsequenz gefragt. Als Abbruchsignal reichen oft schon leise Zischlaute oder ein Abdrängen aus. Es sind Hunde, die nie Lärm machen und entsprechend ruhig sollte man mit ihnen umgehen, wie es die Kreter übrigens auch tun.
Im Haus sind sie sehr ruhig und bellen nur selten. Bei unseren Hunden erleben wir es oft, dass wenn ein Mitglied das Rudel verläßt, die anderen es mit "Wolfsgeheul" verabschieden.
Außerhalb des Hauses ist dieser Hund ein aktiver, sehr temperamentvoller Begleiter, der aufgrund seiner Aufmerksamkeit und hohen Intelligenz, gepaart mit der robusten physischen Kondition, zu großen Leistungen fähig ist. Es ist daher sehr wichtig, ihm sowohl körperlich als auch geistig ausreichende Beschäftigung zu bieten (siehe Haltung und Verwendung). Er hat einen ausgesprochenen Freiheitsdrang und natürlich ein entsprechendes Jagdverhalten. Er liebt es, stundenlang herumzustöbern und zu graben und bei der Jagd auf Mäuse, Ratten und andere Kleintiere ist er sehr erfolgreich.
In ungewohnten Situationen und unbekannten Gegenständen gegenüber zeigt der Kretische Hund ein für ihn typisches Verhalten. Neugierig, aber sehr vorsichtig nähert er sich allem Fremden unter extremer Anspannung und jederzeit bereit, sich mit einem gewaltigen Sprung in Sicherheit zu bringen. Er reagiert dabei aber nicht übermäßig ängstlich oder gar panisch, sondern nur sehr zurückhaltend.

Dr. Basourakos beschrieb die Eigenschaften des Kritikos Lagonikos wie folgt: Lebhaft, intelligent, vorsichtig, flink und wendig, mit sehr feinem Geruchssinn und großer Widerstandsfähigkeit. Er arbeitet aktiv und sorgfältig bei der Jagd auf Hasen ebenso wie auf Wildkaninchen, gewöhnlich allein oder paarweise und er ist geeignet für jedes Gelände, selbst für das felsigste, raueste und unwegsamste. Bei der Verfolgung der Beute erreicht er auf kurzer Strecke hohe Geschwindigkeiten. Seine Stimme ist nicht sehr laut, man hört sie gewöhnlich als "Kampfschrei" beim Angriff auf den Hasen.

Im Standard, verfasst von Maria Ginala, liest man über Charakter und Fähigkeiten: aufgeweckt, intelligent, freundlich, bei der Jagd voller Elan, Wagemut und Durchhaltevermögen, hartnäckig, mutig und unermüdlich (diaponos), im Haus sanftmütig, gehorsam, wohlerzogen, kameradschaftlich, angenehm. Gegenüber Fremden etwas reserviert, mit seiner Familie zärtlich, seine Gefühle zeigend und anhänglich. Er lebt friedlich mit anderen Tieren im Haus und auf dem Hof zusammen (parippos - lief in der Antike neben den Reitern) und im Allgemeinen ist das Verhalten des Hundes ausgeglichen und zuverlässig. Spätreif und hochgradig instinktsicher. Seine Sinne sind bemerkenswert scharf und er hat ein rasches Auffassungsvermögen, Lebhaftigkeit und einen scharfen Verstand. Aufmerksam, neugierig und forschend, er ist leicht auf optische Signale zu trainieren und aus der Ferne zu führen. In der Antike galt er als der beste Hund für die Jagd auf Hirsch, Wildschwein und sogar den Bären. Sein Gebrauch für die Jagd auf Federwild sollte völlig vermieden werden, da der Hund dadurch träge wird und das Interesse verliert, diese Aufgabe ist unter seinen Fähigkeiten. Er ist geboren für die Hetzjagd und nur bei ihr schöpft er sein volles körperliches und geistiges Potential aus.
In ihrem Rasseportrait des Kritikós Lagonikós schreibt Maria Ginala außerdem: Sanftmütig, liebevoll, aristokratisch, doch tödlich bei der Hetzjagd, ist er ein höflicher Hund, der lebendig wird in der Gegenwart von Beute. Sauber, freundlich, elegant in Erscheinung und Bewegung, ist er niemals ordinär oder aufdringlich in seinen Gebärden. Er geht freundlich und liebevoll mit Kindern um. Er bellt selten, aber er sagt Bescheid, wenn Fremde sich dem Haus nähern. Auf dem Hof tötet er Ratten und Mäuse.

Vassili Lekkas beschreibt den Kritikós Lagonikós als einen uralten Familienhund, der für vielfältige Aufgaben geeignet ist und in den verschiedensten Bereichen eingesetzt wird. Abgesehen von seinen herausragenden jagdlichen Fähigkeiten hütet und begleitet er die Herden, beschützt die Nutztiere und bewacht Haus und Eigentum. Er ist leicht erziehbar, treu, sensibel, liebenswürdig und aristokratisch.

Roka mit einem Welpen
Roka mit einem Welpen
Gata und Roka
Gata und Roka

Kalokairi

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