Haltung

Haltung und Verwendung

Andartis

Andratis, Kemalis und Petousa

nach der Jagd

Die Haltungsbedingungen der Kretischen Hunde in ihrer Heimat sind mit denen von Hunden in Deutschland im Allgemeinen nicht zu vergleichen. Sie werden überwiegend im Freien gehalten, im günstigsten Fall in Zwingern oder Ausläufen, die mit Mauern oder hohen Zäunen umgeben sind, und Hütten als Schlafplatz. Häufig jedoch ist leider noch immer die Anbindehaltung an der Kette, mit einem Bretterverschlag oder einem Baum zum Schutz vor der Sonne. Die meisten Halter dieser Rasse sind Jäger, die mehrmals in der Woche für einige Stunden mit ihren Hunden in die Berge fahren, nicht nur in der Jagdsaison von September bis April, sondern auch zu Trainingszwecken in der restlichen Zeit. Die Haltung von Jagdhunden im Haus stellt auf Kreta eher eine Ausnahme dar. Die meisten Jäger fürchten, die Hunde würden im Haus zu sehr verwöhnt, sie bräuchten die Gewöhnung an die Umgebung draußen, Temperaturschwankungen, nächtliche Geräusche, den harten Untergrund u.s.w. Zudem können sie sich oftmals nicht vorstellen, dass sich die Hunde im Haus ruhig verhalten und nichts zerstören. Diejenigen Kritikoi, die auch auf Kreta im Hause leben, beweisen jedoch das Gegenteil! Im Haus angenehme, saubere und unaufdringliche Mitbewohner, anschmiegsam und wohlerzogen, sind sie in den Bergen fähige Gebrauchshunde, zeigen bei der Jagd vollen Einsatz und sind weder körperlich noch mental den ausschließlich draußen lebenden Hunden unterlegen.

Die Jagd

Andartis

Auch wenn der Kritikós Lagonikós ein vielseitig verwendeter Gebrauchshund ist, entfaltet er seine wahren Fähigkeiten vor allem bei der Jagd. Bis in die 70er Jahre hinein wurde die Kretische Wildziege (Kretischer Steinbock, Agrimi) bejagt, bis deren Bestände so stark zurückgegangen waren, dass sie unter Naturschutz gestellt wurde. Die traditionellen Jäger erlegten nur männliche Tiere und verschonten die Weibchen wegen des Nachwuchses. Bis ca. 1750 existierten auf Kreta auch Wildschweine, die allerdings von den Kretern nicht gejagt wurden, da sie als heilige Tiere galten. Zur Kaninchenjagd auf den kleinen Inseln vor Kreta, v.a. auf Dhia, fuhren die Jäger mit ihren Hunden mit dem Boot. Inzwischen darf dort wegen der Wildziegen-Reservate nicht mehr gejagt werden. Auf der Hauptinsel Kreta gibt es keine Kaninchen, nur Hasen.

Hasenjagd

Kritis Daphni

Die Hasenjagd auf Kreta stellt aufgrund der extremen Geländeverhältnisse und des Klimas besonders hohe Anforderungen an die Hunde. Die Härte und Schärfe, die sie dabei an den Tag legen, steht in krassem Gegensatz zu ihrem sonstigen Verhalten. Während der Jagsaison von Mitte September bis in den April fahren die Jäger mit einem oder zwei Hunden in abgelegene Gebirgsregionen. Gelegentlich werden zusätzlich junge Hunde zur Ausbildung mitgenommen. Die Jagd beginnt im Morgengrauen und dauert viele Stunden, oft bei Temperaturen um die 40°. Die Hunde jagen mit allen Sinnen. Der Jäger postiert sich meistens auf einem Felsen und kann von dort seine Hunde, die immer wieder Blickkontakt mit ihm aufnehmen, durch optische und verbale Signale aus großer Entfernung führen. Sie suchen mit der Nase die Spur des Hasen, der sich in Felsspalten oder im Dornengestrüpp versteckt. Dabei verfolgen sie ohne Spurlaut die frischeste Fährte, die direkt zum Versteck des Hasen führt. Die Hunde arbeiten ruhig und leise, sie dürfen bei aller Jagdmotivation nicht hektisch werden, sondern müssen sich konzentrieren, um keine Energie zu verschwenden. Die trockene Witterung, die hohen Temperaturen und der oft sehr starke Wind erschweren das Auffinden der Beute, da die Duftmoleküle, vor allem auf dem kahlen Fels, rasch zerstört werden. Ein großes Problem stellt auch der Staub dar, den die Hunde zwangsläufig mit der Nase aufnehmen und der somit Geruchssinn und Atmung beeinträchtigt und die Hunde zu häufigem Niesen zwingt. Der Kritikos Lagonikos verfügt jedoch über eine Jagdtaktik, die von den Kretern "Anemistos" genannt wird. Es bedeutet "mit dem Wind - Erfassen der Luft". Dazu bleiben die Hunde stehen, nehmen die Nase hoch, stellen sich manchmal auch auf die Hinterbeine und bewegen sich gegebenenfalls im Kreis. Sie saugen den Geruch der Beute mit Nase und oft leicht geöffnetem Fang ein und orten so die Beute. Man kann gut sehen, wie sie dabei die "Backen aufblasen" und den Geruch regelrecht "kauen". Eine weitere erfolgreiche Taktik besteht im Belecken des Untergrundes, um die wenigen noch vorhandenen Reste der Fährte besser aufnehmen zu können. Am lebhaften Rutenspiel der Hunde erkennt der Jäger, wenn sich die Beute in unmittelbarer Nähe befindet. Mit gespitzten Ohren lauschen sie auf jede Regung ihres Opfers. Währenddessen kommunizieren die Hunde über ihr Rutenspiel miteinander, und das plötzliche Erstarren eines Hundes, mit hoch aufgeringelter Rute, zeigt dem Jäger, daß das Versteck gefunden wurde. Wenn der Hase aufgejagt worden ist, beginnt die Hatz über scharfkantige Felsen und dornigem Bewuchs, wobei kurz der "Kampfschrei", ein hohes Bellen, zu hören ist. Dabei vollführen die Hunde atemberaubende Sprünge und Wendungen, um dem hakenschlagenden Hasen den Weg abzuschneiden. Oft müssen tiefe Schluchten und meterhohe glatte Felswände überwunden werden. Mit Eleganz und Leichtigkeit bewegen sich die Hunde in dem schwierigen Gelände und erreichen dabei auf kurzen Distanzen Geschwindigkeiten von ca. 70 km/h. Die Hunde arbeiten miteinander und die Erfahrung lehrt sie "wie der Hase läuft". Wenn es ihnen nicht gelingt, den Hasen auf den ersten 100 metern im Lauf zu packen, verfolgen sie ihn noch ca. 500 bis 1000 meter und kehren dann zum Jäger zurück. Die Hunde wissen aus Erfahrung, dass ihre Chancen mit der Entfernung geringer werden und begeben sich auf eine neue Suche. Wenn ein Hund die Beute gefasst hat, apportiert er sie seinem Herrn, ohne daß die anderen Hunde versuchen, sie ihm streitig zu machen. Die traditionelle Jagdweise ohne Gewehr ist heute nicht mehr erlaubt. Die Jäger müssen über viel Erfahrung und gutes Timing verfügen, um den Hund beim Schuß nicht zu verletzen, da dieser sich sehr nah hinter der Beute befindet, und oft hat der Hund den Hasen bereits gefangen, bevor der Jäger die Möglichkeit zum Schuß hat.

Pavlos mit Andartis

Allerdings erbringen die Hunde diese Leistungen nur bei entsprechend guter Bindung an ihren Halter, die nur durch viel Zuwendung entsteht. Die Ausbildung zum Jagdhund nimmt mehrere Jahre in Anspruch und erfordert viel Einfühlungsvermögen. Sie basiert auf einer guten Mensch-Hund-Beziehung, und es wird mit viel Ruhe und Geduld ohne unangemessene Härte gearbeitet. Bereits im Welpenalter werden die Hunde auf ihre Beute konditioniert, in dem sie z.B. an Stallkaninchen "üben" dürfen. Das entspricht natürlich nicht unserer Vorstellung von Tierschutz, auch wenn die Kaninchen dabei nicht verletzt werden, ist aber u.a. deshalb sinnvoll, weil die Hunde keine Tiere außerhalb der vorgesehenen Beute jagen dürfen. Die vielen Schafe und Ziegen, die auf Kreta allgegenwärtig sind, müssen sie bei der Jagd ignorieren. Zäune, die die Weidegebiete markieren, wie bei uns üblich, gibt es auf Kreta nicht. Auch die Jagdpacht ist auf Kreta unbekannt. Jeder, der eine Jagdlizenz erworben hat, darf dort jagen, wo es ihm beliebt. Auch außerhalb der Jagdsaison wird trainiert, manchmal auf extra dafür abgezäuntem Terrain, obwohl natürlich nicht jeder Jäger über diesen Luxus verfügt. Ein ausgebildeter Hund ist entsprechend wertvoll und teuer. Für einen Jäger, der in seinem Hund nur einen Gebrauchsgegenstand sieht, ist der Kritikós Lagonikós nicht geeignet.

Kalokairi beim Mantrailing

Bei der Erziehung der Kretahunde gilt alles, was für andere Hunde von Bedeutung ist, in besonderem Maße. Blinden Gehorsam sollte man von Hunden dieser Rasse nicht erwarten, und Erziehungsmethoden, die auf Härte und Strafe basieren, sind gänzlich ungeeignet. Auch die Kreter, die im Umgang mit Hunden eigentlich nicht gerade zimperlich sind, verweisen darauf, dass bei diesen Hunden die wichtigsten Faktoren bei der Erziehung Fairness, Geduld und Konsequenz sind. Ungerechte und inkonsequente Behandlung tolerieren sie nicht, dies macht sie stur und ungehorsam und zerstört ihren Charakter. Methoden der positiven Bestärkung, z.B. beim Clickertraining haben sich bewährt, klare Regeln im täglichen Umgang, die von allen Beteiligten eingehalten werden, sind wichtig. Es sind "denkende" Hunde, die sehr schnell lernen, so dass es leicht ist, ihnen den notwendigen Grundgehorsam zu vermitteln, aber aufgrund der Intelligenz und Sensibilität dieser Hunde wirken sich Fehler in der Erziehung unter Umständen nachhaltig aus. Sie haben ein gewisses "Will to please", ohne dabei fordernd zu sein. Trotz allem Temperament, das diesen Hunden eigen ist, sind sie in ihrem Wesen insgesamt ausgeglichen, wirken niemals nervös oder gar neurotisch.

Welpe

Als Junghunde jedoch, bis zu einem Alter von ca. 1 1/2 Jahren, haben sie einen erhöhten Bedarf an Beschäftigung und Bewegung. Sie entwickeln schon sehr früh außergewöhnliche motorische Fähigkeiten, wie man sie bei kaum einer anderen Hunderasse in dieser Ausprägung findet. Schon im Welpenalter sind sie ungewöhnlich agil und voller Energie. Unerlässlich ist eine gute Sozialisation, denn diese instinktsicheren Hunde verhalten sich oftmals sehr mißtrauisch allem Fremden gegenüber, dies bezieht sich sowohl auf Gegenstände und Geräusche, als auch auf Personen oder Artgenossen, deren Aussehen oder Verhalten ihnen eigenartig vorkommt. Andererseits haben sie eine ausgeprägte Neugier und das Bedürfnis, Unbekanntem auf den Grund zu gehen. Inzwischen sind einige Hunde der Rasse im Erwachsenenalter über den Tierschutz nach Deutschland gekommen. Auch in diesen Fällen haben sie sich als überaus anpassungsfähig erwiesen und sich überraschend schnell den veränderten Lebensbedingungen anpassen können. Diese Hunde mit ihrem ausgeprägten Sozialverhalten sind nicht gerne allein, sie lieben die Gesellschaft ihrer Mitbewohner, sind ideale Zweithunde und gut im Rudel zu halten, wie es in ihrer Heimat auch üblich ist. Man sollte also bereit sein, sich auf die besonderen Bedürfnisse dieser Rasse einzustellen, wenn man mit einem Kritikós Lagonikós zusammenleben will. Natürlich kann es nicht schaden, schon Erfahrung im Umgang mit Hunden zu haben, aber oftmals können Menschen, die von Vorurteilen unbelastet sich auf diese besonderen Hunde einlassen, am besten mit ihnen umgehen.

Dhias mit Dummy

Inzwischen gibt es ausreichend Erfahrungen mit dieser Rasse auch außerhalb ihrer Heimat und der dortigen Lebensbedingungen. Der Kritikós Lagonikós stellt hinsichtlich seiner Haltung sicherlich besondere Anforderungen an seine Menschen. Er hat er ein ausgesprochen starkes Bewegungsbedürfnis. Ein kurzer Spaziergang wird diesem Hund nicht genügen, er sollte möglichst täglich Freilauf auf ausreichend großer Fläche haben, um seinen Galopp voll entfalten zu können. Nicht zu unterschätzen sind sein Freiheitsdrang und sein Jagdverhalten. Wenn es ihm im Garten zu langweilig wird, geht er auch mal spazieren. Dabei wird auch ein zwei Meter hoher Zaun ohne Schwierigkeiten übersprungen, jedes noch so kleine Loch dient als Durchschlupf (wo der Kopf durchpaßt, paßt auch der Rest des Hundes). Wenn sich etwas Interessantes außerhalb des Grundstückes befindet, kann er sich in Sekundenschnelle unter dem Zaun durchgraben. Es ist jedoch keineswegs so, daß der Kretische Hund unkontrollierbar ist, sobald man ihn von der Leine lässt. Eine liebevolle, einfühlsame und konsequente Erziehung macht ihn zu einem verlässlichen, gehorsamen Begleiter. Wenn diese Hunde ausgelastet sind, sind sie im Haus sehr ruhig. Sie melden Besucher, ohne viel zu bellen. Sie werden auch nicht nervös, wenn es mal ein paar Tage keine Beschäftigung gibt. Sie sind Energiesparer, die sehr schnell abschalten können, wenn nichts zu tun ist.

Synnefia

Schon in der Antike begleiteten die Kretischen Jagdhunde die Jäger zu Pferde. Als Reitbegleithunde sind sie tatsächlich sehr gut geeignet, da sie in Schnelligkeit und Ausdauer ohne Probleme mit jedem Pferd mithalten. Ihre natürliche Vorsicht und Aufmerksamkeit und ihre schnellen Reaktionen kommen ihnen dabei zugute, die Pferdehufe behalten sie immer im Blick. Unverzichtbar ist dabei allerdings ein guter Grundgehorsam, auch im Hinblick auf die jagdliche Veranlagung dieser Hunde. Als Hundesport eignet sich sehr gut Agility, da es dem Spieltrieb und Bewegungsdrang dieser Hunde entgegenkommt, die Fähigkeiten im Klettern und Springen ausnutzt, sie auch geistig fordert, und die Mensch-Hund-Beziehung verbessert. Die Kritikoi zeichnen sich dabei durch eine gute Führigkeit aus, ohne extreme "Triebigkeit" an den Tag zu legen. Unsere eigenen Hunde werden seit Jahren erfolgreich im Agility-Sport geführt, zum Teil in der höchsten Leistungsklasse. Das gilt ebenso für die anderen in Deutschland lebenden Hunde dieser Rasse. Auch in Griechenland, wo dieser Sport seit kurzem betrieben wird, findet man Kretahunde in den Agility-Clubs. Ein weiterer großer Einsatzbereich ist das Mantrailing, die Personensuche, für das diese Rasse eine besondere Veranlagung bewiesen hat. Auch in der Rettungshundearbeit und als Therapiehunde haben sie sich schon bewährt. Sowohl das Jagdcoursing, als auch das Tricktraining machen ihnen Spaß. Dhias, Synnefia und Minos haben die Begleithundprüfung bestanden.

Kalokairi

Hinsichtlich der Pflege stellt der Kritikós Lagonikós keine großen Ansprüche. Sein sehr kurzes Fell, das auf dem Rücken etwas harscher und nur dort mit einem Hauch von Unterwolle versehen ist, sollte gelegentlich mit einer weichen Bürste behandelt werden. Der Hund ist sozusagen selbstreinigend, da er sich nach jedem Aufenthalt im Freien ausgiebig putzt. Er entwickelt selbst mit nassem Fell kaum Hundegeruch, verliert wenig Haare und ein Bad ist nur in Ausnahmefällen nötig. Gelegentlich müssen die Krallen gekürzt und die Ohren gesäubert werden.
Er ist ein ausgesprochen spätreifer Hund und gilt erst mit etwa 4 Jahren als erwachsen. Die Hündinnen werden gewöhnlich mit ca. 18 Monaten das erste Mal läufig, meist nur einmal im Jahr.
Die harten Bedingungen, die diese Hunderasse formten, haben sich vorteilhaft auf ihre Gesundheit ausgewirkt, Erbkrankheiten sind nicht bekannt. Bis heute werden die Hunde hauptsächlich nach Leistungskriterien gezüchtet, und bis vor wenigen Jahren war es den Züchtern kaum möglich, kranke oder verletzte Hunde tierärztlich behandeln zu lassen, so daß eine Art natürlicher Selektion stattfand. Zu schwache Welpen werden nicht von Hand aufgezogen und Hunde, die körperlich nicht den hohen Anforderungen bei der Jagd gewachsen sind, werden als unbrauchbar "aussortiert". Trotzdem sollte man als Halter dieses Hundes einige grundsätzliche Regeln beachten, die auch für ähnliche Rassen gelten. Ihr überschäumendes Temperament kann die Junghunde verleiten, sich zu überfordern, man sollte sie deshalb gelegentlich zu einer Pause überreden. Unmittelbar nach einer Mahlzeit sollte der Hund ebenfalls ruhen, um der Gefahr einer Magendrehung vorzubeugen.
Die Lebenserwartung des Kretischen Hundes ist relativ hoch. Bei guter Haltung erreichen sie durchschnittlich ein Alter von 14 bis 18 Jahren, aber auch über 20 Jahre alte Hunde sind keine Seltenheit.

Kalokairi

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