Erfahrungsberichte

Im November 2013 veröffentlichte der Deutsche Windhundzucht- und Rennverband sein monatlich erscheinendes Magazin "Unsere Windhunde" als Themenheft über unbekannte Windhundrassen. Besitzer seltener Rassen hatten die Möglichkeit, mittels eines Fragebogens über ihre Erfahrungen mit ihrem Hund/ihren Hunden zu berichten. Drei Besitzer Kretischer Hunde beantworteten die Fragen, die unserer Meinung nach eine gute Informationsquelle für Interessenten darstellen.

Frage Astrid Collett (Dhias, Synnefia und Kalokairi) Heike und Klaus Quellmalz (Aori) Aileen Gläser (Skipper)
Wie wurden Sie auf die Rasse aufmerksam? Nachdem wir vor 15 Jahren unsere Mischlingshündin von Kreta mitgebracht hatten, hörten wir von der Rasse, die damals noch Kritikos Ichnilatis genannt wurde, und suchten bei unseren jährlichen Aufenthalten auf Kreta nach diesen Hunden, bis wir schließlich 2003 den Züchter unseres Rüden kennenlernten. Auf vielen Reisen auf die Insel Kreta haben wir in der Nähe von Bergdörfern einige Exemplare dieser Rasse bewundern können. Wir suchten nach Informationen über diese Rasse und fanden sie auf der Homepage von Astrid Collett. Durch einen Hund der Rasse, welcher aus dem Tierschutz kommt und in Deutschland vermittelt werden sollte. Wir wurden auf die Vermittlungsanzeige aufmerksam.
Warum haben Sie sich letztlich für die Rasse entschieden? Der harmonische Körperbau, die eleganten Bewegungen und das temperamentvolle, aber auch sanfte Wesen faszinierten uns. Zudem beeindruckte uns das Ursprüngliche, die robuste Gesundheit und hohe Lebenserwartung dieser Hunde. Die Schönheit, die Natürlichkeit und Robustheit dieser Rasse hat uns fasziniert. Für uns stellt sie im Alltag eine Verbindung zu unserer geliebten Insel Kreta dar, die wir auf vielen Wohnmobilreisen besucht und kennengelernt haben. Wir haben uns in erster Linie für den Hund und nicht für die Rasse entschieden. Die „Ursprünglichkeit" und Gesundheit der Rasse waren Kriterien, welche uns die Entscheidung erleichterten, aber auch den sportlich kompakten Körperbau und Charakter finden wir klasse, sowie die feinen Sinne im Sozialverhalten untereinander.
Wie und wo haben Sie Ihren Hund/Ihre Hunde erworben? Dhias haben wir von seinem Züchter in Aghios Nikolaos auf Kreta gekauft, Synnefia von ihrem Züchter in Archanai bei Athen. Kalokairi kam über eine Tierschutz- Organisation von Kreta zu uns. Bei einem befreundeten Züchter auf Kreta im Bergdorf Agios Stefanos. Über besagte Vermittlungsanzeige haben wir Kontakt zu seiner „Pflegestelle" in Deutschland aufgenommen und nach einem Probewohnen haben wir uns für ihn entschieden. Bevor er nach Deutschland gebracht wurde, befand er sich zunächst auf einer Pflegestelle auf Kreta.
In welchem Alter haben Sie Ihren Hund/Ihre Hunde bekommen? Wie alt sind sie heute? Dhias war 6 Wochen und ist heute 10 Jahre alt. Synnefia haben wir im Alter von 11 Wochen mitgebracht, sie ist Jetzt 6 Jahre alt Kalokairi war 11 Monate alt, jetzt 2 1/2 Jahre. Wir erwarben sie im Alter von 8 Wochen und heute ist sie 3 Jahre alt. Er ist seit fast 10 Wochen bei uns und wird vermutlich 1 1/2 -2 Jahre alt sein.
Wieviel Zeit widmen Sie ihm/ihnen? An normalen Wochentagen über den Tag verteilt ca. 2 bis 3 Stunden, an freien Tagen meistens bedeutend mehr. In der Woche täglich ca. 2 Stunden, am Wochenende 3-4 Stunden oder mehr, wir sind begeisterte Wanderer. Aori begleitet mich oft an meine Arbeitsstelle, ich arbeite mit Menschen mit einer geistigen Behinderung. Das ist sehr unterschiedlich, an Arbeitstagen ohne besondere Aktivitäten sind wir etwa 3 bis 5 Mal draußen unterwegs, spazieren und auf der Pferdekoppel. Er bekommt sein Futter zurzeit fast komplett aus der Hand, fürs kommen auf „Rückruf" und für allerlei Übungen (Sitz, Platz, Bleib, Links usw).
Einmal in der Woche gehen wir „Mantrailen", 1 x pro Woche sind wir beim Agility und gelegentlich besuchen wir Hundefreiläufe. Klickern machen wir seit neuestem auch.
Wie haben Sie ihn/sie erzogen Bei allen Hunden habe ich darauf geachtet, sie von Anfang an mit vielen verschiedenen Menschen, Tieren und Situationen in Kontakt zu bringen, eine frühe Sozialisierung ist gerade bei diesen Hunden wichtig. Sie waren alle von Beginn an stubenrein, da sie im Freien aufgewachsen und somit bereits auf Untergründe draußen geprägt waren. Geduld, Ruhe und liebevolle Konsequenz waren (und sind) die besten Erziehungsprinzipien, positive Verstärkung z.B. mit Clicker, Motivation mit Spielzeug oder Leckerlis helfen beim Training.
Sie lernen schnell, haben ein gewisses Maß an „will to please" und Freude an sinnvoller Arbeit. Bei inkonsequentem Verhalten ihrer Menschen kommt ihre Eigenständigkeit zum Tragen und sie können stur und eigensinnig wirken.
Wir haben unsere Aori mit liebevoller Konsequenz erzogen. Viel Zeit haben wir von Anfang an in Anti-Jagd-Training investiert. Dies hat sich ausgezahlt, kleinere Jagdausflüge sind sehr selten. Einige Zeit haben wir Unterordnung im Hundeverein gemacht, allerdings hat sich Aori bei dem Ton, der dort herrschte, nicht wohl gefühlt. Aori ist gut erzogen, sie geht „Fuß", bleibt im „Platz" bis man auflöst und reagiert auf „Bleib" zuverlässig. Beim Rückruf ist von ihrer enormen Schnelligkeit nicht viel zu merken, aber er klappt. Viel positive Verstärkung, aber ebenso Konsequenz; damit klappt es bisher gut. Diese Hunde haben in unseren Augen sehr feine Sinne für Gefahr oder gefährliche
Situationen. Einmal erlebtes Negatives, was als gefährlich oder schmerzhaft empfunden wurde, wird lange gespeichert und entsprechende Situationen gemieden, negative Verknüpfungen aufzulösen dauert u. E. nach länger als bei vielen anderen Rassen, aber es ist möglich! Sie sind, nach den umfangreichen
Informationen der Homepage „Kretahund.de" Energiesparer, und das kann ich nur bestätigen, wenn sich etwas nicht lohnt und/oder der Aufwand zu groß ist, scheint jegliche Anstrengung überflüssig. Das darf nicht falsch verstanden werden, es sind sehr aktive Hunde, welchen auch langweilig wird, sie müssen geistig und körperlich gut beschäftigt werden, aber wenn unser neuer Freund feststellt, dass es gerade nichts zu tun gibt und er bereits Beschäftigung hatte, dauert es nur Sekunden und er trabt zu seinem Platz und schläft. Auch bei ein paarTagen ohne viel Auslastung läuft er nicht nervös herum oder ähnliches. Wir erleben unseren Kretahund als sehr offen mit kaum Angst vor neuem, aber gleichzeitig auch als sehr sensibel, ausgesprochen aufmerksam und auch vorsichtig.
In welcher Umgebung lebt Ihr Hund/Ihre Hunde? Im Haus mit großem Garten Wir leben in einem Haus mit Garten in der Stadt. Der Hund lebt mit uns im Haus und schläft neben dem Bett. Er lebt mit unserer Hündin zusammen im Haus mit Garten in Norddeutschland.
Welche Beschäftigungen verbinden Sie mit Ihrem Hund (Rennen, Coursing, Agility etc.) Alle Hunde machen Agility, mit Dhias und Synnefia laufe ich in der höchsten Leistungsklasse und verbringe im Sommer fast jedes Wochenende auf Turnieren, trainiere mit jedem Hund 1 bis 3 mal in der Woche. Sie haben auch die Begleithundprüfung absolviert. Sie haben alle eine Ausbildung als Mantrailer, bei Kalokairi hat diese Beschäftigung momentan Vorrang vor dem Agility, da er sich hier besonders talentiert zeigt. Viel Beschäftigung beim täglichen Auslauf. Ganz besonders intensiv machen wir Suchspiele.
Außerdem Waldagillity, um Bäume, auf Baumstämme, Slalom, Auch Apportieren gehört zu ihren ihren Lieblingsbeschäftigungen. Wir üben unterwegs auch regelmäßig den Grundgehorsam. Außerdem liebt Aori das Schwimmen. Einfaches Spazierengehen ist nichts für diese Hunderasse.
Mantrailen - Agility - evtl. auch mal ein Spassrennen - Tricks - Treffen mit anderen "Hundemenschen" zum gemeinsamen Spazieren und Toben lassen.
Wie pflegen Sie Ihren Hund/Ihre Hunde? Gelegentlich schneide ich die Krallen, da die Hunde viel auf weichem Grund laufen. Das Haarkleid erfordert keine Pflege. Sie wird ab und zu gebürstet, gebadet nur, wenn sie sich gewälzt hat. Sie putzt sich selbst sehr intensiv, wie eine Katze. Er ist quasi selbstreinigend; Wenn er mal sehr sandig ist, gibt es einen weichen Handfeger und bei Nässe ein Handtuch. Gelegentlich Krallen schneiden und Augen säubern; Die Ohren putzt ihm meistens unsere Hündin. Dank des kurzen Fells ist er sehr pflgeleicht und er putzt sich selber regelmäßig.
Wie oft gehen Sie spazieren, wie lange und in welcher Umgebung? Ist Freilauf ohne Leine möglich?
Reine Spaziergänge oder Laufen am Fahrrad 2-3 mal in der Woche, ca. 1 Stunde in unterschiedlichster Umgebung, zusätzlich Freilauf im Garten und auf unserem eingezäunten 1,8 ha großen Grundstück, das uns früher als Pferdeweide diente, und gelegentlich in Hundeausläufen. Freilauf ist in mir bekannter Umgebung für Dhias und Synnefia möglich, für Kalokairi, der auf Kreta als Jagdhund ausgebildet wurde, bisher nur in eingezäuntem Gebiet. Ansonsten haben die Hunde im Rahmen des Trainings immer Gelegenheit zum Freilauf und Spiel mit anderen Hunden. Im Alltag gehen wir mindestens 2 Stunden in Wald und Feld spazieren. Fast jedes Wochenende fahren wir mit dem Wohnmobil zum Wandern oder an Seen. Dann sind wir länger unterwegs. Aori ist außer an der Straße immer im Freilauf. Wir gehen zwischen 3 und 5 Mal spazieren. Er ist noch sehr „frisch" bei uns, aber hinter unserem Haus kann er frei laufen und hört auf Rückruf, ansonsten ist er aufgrund des ausgeprägten Jagdtriebs noch an der Leine. Mit „Komm"-Signal bleibt er auch ohne Leine direkt bei uns. Wir üben zurzeit den Rückruf unter Ablenkung durch andere Hunde in eingezäunten Hundefreiläufen. Dies klappt gut, auch bei
Hundebegegnungen bleibt er ohne Leine bei uns, wenn wir die Hunde vor ihm sehen.
Wie würden Sie das Wesen der Rasse beschreiben? Agil, aufmerksam, intelligent, temperamentvoll, aber nie hektisch oder neurotisch. Im Umgang ruhig, sanft, anhänglich, aber nie aufdringlich, Fremden gegenüber meistens abwartend zurückhaltend. Gelehrig, neugierig, finden eigenständig Problemlösungen. Aori ist der perfekte Familienhund. Sie liebt die Menschen und vor allem die Menschenkinder und geht fröhlich auf sie zu, ist aber nie aufdringlich. Sie bellt selten und wenn, dann ist es berechtigt. Außerhalb des Hauses ist sie sehr aktiv, lebendig, arbeitswillig, schnell und ausdauernd. Im Haus ist sie sehr ruhig und ausgeglichen. Aori ist sehr robust, mit unglaublichen Sinneswahrnehmungen mit Augen und Nase und einer großen Geschicklichkeit im Gelände beim Klettern. Starke Wärme im Sommer und eisige Kälte im Winter machen ihr nichts aus. Sie kommuniziert sehr vielfältig, auch mit Lautäußerungen. Anpassungsfähig, sehr intelligent, kontaktfreudig bei bekannten Menschen oder solchen, die ihm "gefallen", frei, sehr aufmerksam, sensibel, manchmal ein Kasper und immer ein Genießer.
Wie ist das Verhalten anderen Hunden gegenüber? Sie haben ein ursprüngliches Ausdrucksverhalten, sind instinktsicher und kommunizieren über differenzierte körpersprachliche Signale und ungewöhnliche Lautäußerungen. Im Freilauf gibt es nie Probleme mit anderen Hunden, entweder die Chemie stimmt und es wird gespielt oder man geht sich aus dem Weg. Synnefia hat an der Leine gelegentlich Probleme mit Hunden, deren Ausdrucks-verhalten sie nicht einschätzen kann oder als Aggression deutet, z.B. brachycephale Rassen. Bei
Hunderassen oder -typen mit einer ähnlichen Körpersprache, z.B. anderen Urtyphunden ist meistens sofort Sympathie da.
Aori versteht sich mit den meisten Hunden sehr gut und genießt den Kontakt. Allerdings mag sie bestimmte Rassen nicht. Das liegt wohl daran, dass sie deren eingeschränkte Kommunikationsmöglichkeit verunsichert. Dies sind vor allem Mops, franz. Bulldogge, engl. Bulldogge, Boxer und SharPei. Und das, obwohl sie hier im Haus mit 3 Möpsen aufgewachsen ist, die sie sehr liebt. Sonst behandelt sie andere Hunde respektvoll und erwartet das auch von ihrem Gegenüber. Ein frecher Welpe wird in die Schranken gewiesen. Großen Hundeansammlungen und Auseinandersetzungen geht sie, wenn sie kann, aus dem Weg. Gebissen hat sie noch nie. Absolut sozialkompetent, tolles Spielverhalten, unsicheren und ängstlichen Hunden gegenüber sehr rücksichtsvoll, zeigt viel soziale Intelligenz.
Ist ein Hund dieser Rasse Ihrer Meinung nach ein Hund für jedermann? Sicherlich kein Hund für jedermann,aber für jeden, der Spaß an der Freizeitgestaltung mit einem Hund hat und bereit ist, sich auf einen Hund mit „Charakter" einzulassen. Diese Rasse eignet sich für Menschen, die bewegungsfreudig sind und Spaß an der Beschäftigung mit dem Hund haben und das fast täglich leisten können. Ansonsten ist der Kritikos Lagonikos meiner Meinung nach ein perfekter Familienhund. Nein. Hundekenntnisse (nicht nur oberflächlich) sollten vorhanden sein. Eine gute Hundeschule zu besuchen, welche Verhalten beobachtet und erklärt, ist bei "Anfängern" unserer Meinung nach der beste Weg. Missverstanden ist dieser Hund, wie viele andere auch, sicher nicht glücklich. Ich kann nicht einschätzen, wie er auf Unverhältnismäßiges reagiert, jedoch kann ich mir aufgrund seiner Herkunft vorstellen, dass er sich verteidigt wenn er eine Korrektur nicht versteht, wenn diese nicht im richtigen Zusammenhang steht, unverhältnismäßig ist, oder er den Menschen noch nicht kennt.
Mussten Sie oft zum Tierarzt? Nein, alle sind gesund! Nein, Aori ist bis jetzt ein sehr gesunder Hund. Bisher nicht, nach einer Antibiotikabehandlung gegen die Ehrlichiose müssen wir in zwei Monaten einmal zum Blutabnehmen.
Würden Sie sich noch einmal für die Rasse entscheiden? Ja, jederzeit!!! Immer wieder, wir sind völlig begeistert. Definitiv ja.
Haben Sie Kontakt zu anderen Besitzern von Hunden dieser Rasse? Wenn ja, wie kam er zustande? Ich habe mit allen Besitzern dieser Hunde in Deutschland Kontakt und mit allen Züchtern der Rasse und sehr vielen Besitzern in Griechenland. Die meisten Kontakte kamen im Laufe der Jahre bei unseren Aufenthalten auf Kreta zustande, viele aber auch durch unsere Website. Wir haben Kontakt zu Astrid Collett und haben uns einige Male getroffen und sind regelmäßig telefonisch und über Mail in Kontakt. Durch ihre Homepage suchten wir den Kontakt. Auf die Vermittlungsanzeige hin habe ich mir über das Internet Informationen zu der Rasse anlesen wollen. Dies führte mich auf die sehr informative Seite "Kretahund.de" . Die „Macher" der Seite wohnen nicht weit entfernt und kannten den von mir adoptierten Hund bereits. Wir haben uns nun ein Mal getroffen und ich freue mich auf weitere tolle Treffen!
Haben Sie einen Rüden oder eine Hündin? Warum? Zwei Rüden, einer davon kastriert, und eine Hündin Wir haben uns bewusst für eine Hündin entschieden, aber nur, weil wir immer Hündinnen hatten. Wir haben einen kastrierten Rüden. Beim Geschlecht für unseren Zweithund hatten wir uns nicht festgelegt - über einen Zweithund selbst hatten wir uns auch nicht festgelegt.
Haben Sie irgendwelche Wünsche an den DWZRV, was die künftige Betreuung der Rasse angeht? Wir warten im Moment gespannt darauf, wie es mit der Anerkennung des Kritikos Lagonikos durch den VDH weitergeht! Bei der Rassepräsentation vor 2 Jahren haben wir teilgenommen und fanden es sehr gut, diese seltene Rasse vorzustellen. Auch die Vorstellung in den Themenheften finden wir gut und freuen uns darüber. Die Rasse muss mit ihren „Eigenheiten" so erhalten und vor allem gesund bleiben, es sind tolle Hunde!
 

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